Der Automatisierungsgrad beschreibt, in welchem Ausmaß ein Prozess, ein System oder ein Unternehmen durch Technologie ohne menschliches Eingreifen ausgeführt wird. Er ist eine Kennzahl, die den aktuellen Stand der Automatisierung messbar und vergleichbar macht – auf Ebene eines einzelnen Prozessschritts, eines gesamten Prozesses oder eines Unternehmensbereichs.
Der Automatisierungsgrad kann auf verschiedene Weisen gemessen werden: als Anteil der automatisch ausgeführten Prozessschritte an der Gesamtzahl aller Schritte, als Anteil der automatisch verarbeiteten Vorgänge am Gesamtvolumen (entspricht der STP-Rate), oder als Anteil der durch Automatisierung eingesparten Arbeitszeit an der ursprünglichen Gesamtbearbeitungszeit.
Stufen des Automatisierungsgrades
Stufe 0
Vollständig manuell: Alle Schritte werden von Menschen ausgeführt, keine digitale Unterstützung
Stufe 1
Digital unterstützt: Digitale Werkzeuge helfen bei der Ausführung, aber alle Entscheidungen und Aktionen bleiben manuell
Stufe 2
Teilautomatisiert: Einzelne Schritte laufen automatisch, andere erfordern manuelle Eingriffe – z. B. automatische Dateneingabe, manuelle Freigabe
Stufe 3
Weitgehend automatisiert: Der Prozess läuft überwiegend automatisch; Menschen greifen nur bei Ausnahmen ein (Human-in-the-Loop)
Stufe 4
Vollautomatisiert: Der gesamte Prozess läuft ohne menschlichen Eingriff ab – entspricht Dunkelverarbeitung bzw. STP
Stufe 5
Selbstoptimierend: Der automatisierte Prozess erkennt Muster, lernt aus Daten und optimiert seine eigenen Regeln kontinuierlich – KI-gestützt
Automatisierungsgrad als Steuerungskennzahl
In der Praxis wird der Automatisierungsgrad genutzt, um den Fortschritt von Automatisierungsinitiativen zu messen, Ziele zu definieren und Verbesserungen sichtbar zu machen. Ein Automatisierungsgrad von heute 30 Prozent mit einem Zielwert von 75 Prozent in 12 Monaten ist eine konkrete, messbare Zielsetzung – sowohl für interne Steuerung als auch für die Kommunikation mit Entscheidern und Kunden.
Grenzen des Automatisierungsgrades
Ein Automatisierungsgrad von 100 Prozent ist in den meisten realen Prozessen weder erreichbar noch sinnvoll. Einige Entscheidungen erfordern menschliches Urteilsvermögen, rechtliche Verantwortung oder zwischenmenschliche Kompetenz. Das Ziel ist nicht maximale Automatisierung, sondern optimale Automatisierung – mit Menschen dort, wo ihr Beitrag tatsächlich einen Mehrwert gegenüber dem System schafft.
Praxisbeispiel
Ein Unternehmen analysiert seinen Rechnungseingangsprozess und misst den Automatisierungsgrad auf Schrittebene: Dokumenteneingang erkennen – 100% automatisch. Daten extrahieren – 85% automatisch (15% manuelle Nachbearbeitung bei unleserlichen Dokumenten). Sachkonto zuordnen – 70% automatisch. Freigabe erteilen – 0% automatisch (immer manuell). Buchung im ERP – 100% automatisch. Gesamtautomatisierungsgrad: 71%. Ziel für 12 Monate: 88% durch verbesserte OCR-Qualität und regelbasierte Freigabe für Beträge unter einem Schwellenwert.




