Ein Business Case ist ein strukturiertes Dokument oder eine Analyse, die begründet, warum eine bestimmte Investition, ein Projekt oder eine strategische Maßnahme durchgeführt werden sollte. Er kombiniert die strategische Begründung (warum ist das relevant?), die Wirtschaftlichkeitsrechnung (was kostet es, was bringt es?) und die Risikoabwägung (was kann schiefgehen, und wie wird damit umgegangen?) zu einem entscheidungsreifen Gesamtbild.
Ein Business Case ist das primäre Instrument, um Investitionsentscheidungen bei Führungskräften, Boards oder Budgetverantwortlichen herbeizuführen. Er spricht gleichzeitig die strategische, finanzielle und operative Ebene an.
Bestandteile eines Business Cases
- Executive Summary: Zusammenfassung der wichtigsten Punkte auf einer halben Seite – für Entscheider, die nicht den gesamten Business Case lesen
- Problemdefinition: Welche Situation oder welches Problem rechtfertigt die Investition – mit konkreten Zahlen zum aktuellen Ist-Zustand
- Lösungsbeschreibung: Was wird konkret umgesetzt, und welche Optionen wurden geprüft?
- Wirtschaftlichkeitsrechnung: Kosten, Nutzen, ROI, Amortisationszeitraum über einen definierten Betrachtungshorizont
- Strategische Einordnung: Wie trägt die Investition zur Unternehmensstrategie, zu Transformationszielen oder zur Wettbewerbsposition bei?
- Risikobewertung: Welche Risiken bestehen – technisch, organisatorisch, finanziell – und welche Gegenmaßnahmen sind geplant?
- Empfehlung und nächste Schritte: Klare Handlungsempfehlung mit konkretem nächstem Schritt, Zeitplan und benötigter Freigabe
Business Case vs. Wirtschaftlichkeitsrechnung
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist ein Bestandteil des Business Cases – sie liefert die finanzielle Grundlage. Der Business Case ist breiter: Er enthält zusätzlich die strategische Begründung, die Risikoabwägung, die Darstellung geprüfter Alternativen und eine klare Entscheidungsempfehlung. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung allein reicht nicht aus, um eine Investitionsentscheidung herbeizuführen – sie beantwortet „Lohnt es sich?“ aber nicht „Sollten wir es jetzt tun und warum?“
Business Case für Automatisierungsprojekte
Ein Business Case für ein Automatisierungsprojekt muss über reine Kosteneinsparungen hinausgehen. Entscheider wollen verstehen: Was passiert, wenn wir es nicht tun? (Opportunitätskosten, Wettbewerbsnachteile, Skalierungsrisiken.) Welche Alternativen wurden geprüft – Insourcing, Nearshoring, manuelle Optimierung? Wie sicher sind die angenommenen Einsparungen – und auf welcher Datenbasis beruhen sie? Ein überzeugender Business Case beantwortet diese Fragen, bevor sie gestellt werden.
Praxisbeispiel
Ein Automatisierungsdienstleister erstellt gemeinsam mit seinem Kunden einen Business Case für die Automatisierung der Debitorenbuchhaltung. Problemdefinition: 4 Mitarbeiter verbringen 60 Prozent ihrer Zeit mit manueller Rechnungsprüfung und -verfolgung. Durchschnittliche Zahlungsverzögerung: 12 Tage. Lösung: Automatisierte Rechnungsprüfung, Mahnwesen und Zahlungsabstimmung. Wirtschaftlichkeit: Einsparung 3.200 Euro/Monat Personal, 8.000 Euro/Monat weniger Liquiditätsverlust durch kürzere Zahlungsziele. Implementierungskosten: 18.000 Euro einmalig. Amortisation: unter 6 Monate. Risiko: gering – Pilotbetrieb parallel zum bestehenden Prozess für 4 Wochen vor vollständiger Umstellung. Die Geschäftsführung genehmigt das Projekt in der ersten Sitzung.




