Die Durchsatzrate – auch Throughput genannt – bezeichnet die Anzahl von Vorgängen, Transaktionen oder Datensätzen, die ein System oder automatisierter Prozess in einer definierten Zeiteinheit verarbeiten kann. Sie ist die Kapazitätskennzahl eines Automatisierungssystems: Wie viel Volumen kann dieses System pro Sekunde, pro Minute oder pro Stunde bewältigen, ohne an Qualität oder Geschwindigkeit zu verlieren?
Durchsatzrate und Latenz sind verwandte, aber unterschiedliche Kennzahlen: Latenz misst die Verzögerung bei einem einzelnen Vorgang. Durchsatzrate misst, wie viele Vorgänge parallel oder in schneller Folge verarbeitet werden können. Ein System kann eine geringe Latenz bei einzelnen Anfragen haben, aber eine niedrige Durchsatzrate – wenn viele Anfragen gleichzeitig eintreffen, bildet sich eine Warteschlange.
Durchsatzraten typischer Automationssysteme
Vergleich: Vorgänge pro Minute
Manuell (1 Mitarbeiter)
3–5 / Min.
Einfacher Bot (sequenziell)
30–60 / Min.
Workflow-Plattform
100–500 / Min.
Parallelisierter Workflow
1.000–10.000 / Min.
Einflussfaktoren auf die Durchsatzrate
- Verarbeitungskapazität: CPU, Arbeitsspeicher und Netzwerkbandbreite des ausführenden Systems setzen physische Grenzen
- API-Rate-Limits: Externe APIs erlauben oft nur eine begrenzte Anzahl von Anfragen pro Zeiteinheit – z. B. 100 Requests pro Minute. Dieser Limit bestimmt die maximale Durchsatzrate des Workflows
- Parallelisierung: Sequentielle Verarbeitung limitiert die Durchsatzrate auf einen Vorgang nach dem anderen; parallele Verarbeitung multipliziert die Kapazität
- Datenbankperformance: Lese- und Schreiboperationen auf Datenbanken sind häufig der engste Flaschenhals in datenintensiven Workflows
- Netzwerklatenz: Jeder externe API-Call fügt Wartezeit hinzu; bei hochvolumigen Prozessen summiert sich das erheblich
Durchsatzrate als Planungskennzahl
Die Durchsatzrate ist entscheidend für die Kapazitätsplanung automatisierter Prozesse: Wenn bekannt ist, dass täglich 50.000 Rechnungen verarbeitet werden müssen und das Verarbeitungsfenster 4 Stunden beträgt, ergibt sich eine benötigte Mindest-Durchsatzrate von 208 Rechnungen pro Minute. Liegt die tatsächliche Rate des Systems darunter, muss skaliert oder parallelisiert werden.
Praxisbeispiel
Ein E-Commerce-Unternehmen plant für den Black Friday. Im Vorjahr: 8.000 Bestellungen in 2 Stunden Spitzenlast. Benötigte Durchsatzrate: 67 Bestellungen pro Minute. Test des aktuellen Bestellworkflows: maximale Durchsatzrate 45 Bestellungen pro Minute – 33 Prozent zu wenig. Lösung: Parallelisierung auf 4 simultane Worker-Instanzen. Neue Durchsatzrate: 180 Bestellungen pro Minute. Buffer von 168 Prozent. Der Black Friday läuft ohne Queue-Aufbau oder Verzögerungen. Die Durchsatzrate-Analyse hat das Problem identifiziert – vor dem Black Friday, nicht danach.




