Hybrid Cloud bezeichnet eine IT-Infrastrukturstrategie, die On-Premise-Systeme, Private-Cloud-Ressourcen und Public-Cloud-Dienste kombiniert und durch definierte Verbindungen, einheitliches Management und abgestimmte Sicherheitsrichtlinien zu einer integrierten Gesamtumgebung zusammenführt. Die Kernidee: Nicht alles muss in dieselbe Umgebung, sondern jeder Workload in die für ihn beste Umgebung.
Hybrid Cloud ist heute die Realität der meisten mittleren und großen Unternehmen: Das Legacy-ERP läuft On-Premise, die neue Automatisierungsplattform als SaaS in der Public Cloud, das Kundenportal in einer Private Cloud des Hosting-Partners. Hybrid Cloud ist kein Design-Entscheid, sondern oft das Ergebnis pragmatischer Systemevolution – und es braucht ein bewusstes Management, damit die Teile wirklich zusammenpassen.
Typische Hybrid-Aufteilung in der Praxis
On-Premise / Private
Legacy-Systeme, sensible Daten (Patientendaten, Finanzdaten), regulatorisch eingeschränkte Workloads, hochkritische Infrastruktur.
Public Cloud
Neue digitale Anwendungen, Automatisierungsplattformen, analytische Workloads, variable Last (Peaks), globale Reichweite.
SaaS
CRM, HR-System, Buchhaltungssoftware, Kollaborationstools – vollständig externe Software, keine eigene Infrastruktur.
Edge/IoT
Sensordaten-Verarbeitung am Netzwerkrand, Produktionsanlagen, Filialsysteme – lokal verarbeiten, zentral aggregieren.
Hybrid Cloud und Automatisierungsarchitektur
In Hybrid-Cloud-Umgebungen ist die Integrationsarchitektur entscheidend: Automatisierungsworkflows verbinden Systeme aus verschiedenen Umgebungen – ein Workflow in der Public Cloud (Make) muss auf ein On-Premise-ERP (SAP) zugreifen. Die Verbindung erfolgt über sichere Tunnel (VPN, ExpressRoute, Direct Connect) oder spezialisierte Konnektoren, die On-Premise-Systeme nach außen exponieren. Diese Hybridkonnektivität ist häufig der komplexeste und kritischste Teil einer Automatisierungsarchitektur.
Praxisbeispiel
Ein Fertigungsunternehmen betreibt eine klassische Hybrid-Cloud-Architektur. On-Premise: SAP ERP (zu komplex und zu teuer für Migration), Produktions-MES, CAD-Systeme. Private Cloud (Colocation): eigenes Kubernetes-Cluster für kritische Eigenentwicklungen. Public Cloud (Azure): Automatisierungsplattform, Analytics, Kundenportal, Entwicklungsumgebungen. SaaS: Salesforce CRM, Microsoft 365, DATEV. Verbindung: Azure ExpressRoute verbindet On-Premise direkt mit Azure – Latenz unter 5 ms, Daten verlassen nie das öffentliche Internet. Ergebnis: Make-Workflows in Azure können in Echtzeit auf SAP-Daten zugreifen, obwohl SAP On-Premise läuft – sicher, schnell und ohne SAP in die Cloud migrieren zu müssen.




