Identity and Access Management (IAM) ist der Oberbegriff für alle Systeme, Prozesse und Richtlinien, die sowohl Identitäten (wer ist jemand?) als auch Zugriffsrechte (was darf er tun?) in einer Organisation verwalten – und die Verknüpfung beider sicherstellen. IAM vereint Identity Management (IdM) und Access Control unter einem Dach und sorgt dafür, dass die richtige Identität zur richtigen Zeit auf die richtigen Ressourcen zugreift.
In Cloud-Umgebungen ist IAM als Dienst direkt eingebaut: AWS IAM, Azure Active Directory, Google Cloud IAM – jeder große Cloud-Anbieter bietet ein vollständiges IAM-System, das Identitäten (Nutzer, Gruppen, Service-Accounts) mit Policies (erlaubte Aktionen auf bestimmten Ressourcen) verknüpft. Für Automatisierungsworkflows auf Cloud-Infrastruktur ist das Cloud-IAM die zentrale Schaltstelle für Sicherheit und Compliance.
IAM-Kernkonzepte
Identitäten Nutzer, Gruppen, Service-Accounts, Rollen: Alle Entitäten, die Zugriffsrechte haben können. Auch Workflows und Anwendungen sind Identitäten im IAM-System.
Policies Dokumente, die Berechtigungen definieren: Welche Aktionen (GET, PUT, DELETE) auf welchen Ressourcen (S3-Bucket, Datenbank, API) sind erlaubt oder verboten?
Rollen Policies-Pakete zum Zuweisen: Statt Policies direkt an Identitäten zu hängen, werden sie zu Rollen gebündelt. Identitäten erhalten Rollen – flexibler und wiederverwendbar.
Ressourcen Alles, worauf zugegriffen werden kann: Datenbanken, Dateien, APIs, Dienste, Konfigurationen. Jede Ressource hat eigene Policies, die definieren, wer wie zugreifen darf.
IAM für Automatisierungsworkflows in der Cloud
In AWS-basierten Automatisierungsarchitekturen bedeutet IAM konkret: Jeder Workflow, der auf AWS-Dienste zugreift (S3 für Dateien, RDS für Datenbank, SES für E-Mail-Versand), braucht eine IAM-Rolle mit exakt den Policy-Statements, die er benötigt. Ein Lambda-Workflow, der Dateien aus S3 liest und in RDS schreibt, bekommt eine Rolle mit: s3:GetObject auf den spezifischen Bucket und rds-data:ExecuteStatement auf die spezifische Datenbank. Nicht mehr. Diese Granularität ist der Kernvorteil cloud-nativer IAM-Systeme: Rechte können auf einzelne Aktionen auf einzelnen Ressourcen präzise gesteuert werden.
Praxisbeispiel
Ein Automationsdienstleister migriert seine Infrastruktur zu AWS und nutzt AWS IAM für alle Berechtigungen. Vorher auf VPS: Ein Datenbankpasswort für alle Workflows, ein SSH-Key für alle Mitarbeiter. In AWS IAM: Jeder der 34 Workflows hat eine dedizierte IAM-Rolle. Rechnungsworkflow-Rolle: s3:GetObject auf arn:aws:s3:::rechnungen-inbox/*, rds-data:ExecuteStatement auf arn:aws:rds:eu-central-1:123456:db:produktion, ses:SendEmail – nicht mehr. Cloud-IAM-Vorteil vs. manuelle Verwaltung: Rechteänderungen in der AWS-Konsole sofort wirksam, kein Neustart. Alle Zugriffsversuche automatisch in CloudTrail geloggt – wer hat wann welche Aktion auf welcher Ressource ausgeführt. Audit-Berichte auf Knopfdruck. IAM macht Cloud-Automatisierung nachvollziehbar, überprüfbar und skalierbar.




