Identity Management (IdM) – Identitätsmanagement – bezeichnet alle Prozesse, Technologien und Richtlinien, die für die Verwaltung digitaler Identitäten zuständig sind: wer sind die Nutzer und Systeme in einer Organisation, welche Attribute beschreiben sie (Name, Rolle, Abteilung, Standort), wie werden sie authentifiziert und autorisiert, und wie werden ihre Identitäten über den gesamten Lebenszyklus (Eintritt, Rollenwechsel, Austritt) konsistent gepflegt.
Identity Management ist die organisatorische und technische Infrastruktur, auf der Zugriffskontrollen aufbauen: Ohne eine verlässliche, aktuelle Identitätsdatenbank – wer ist im Unternehmen, in welcher Rolle, mit welchen Systemen – können Zugriffsrechte weder korrekt vergeben noch zuverlässig entzogen werden. In Automatisierungsinfrastrukturen ist Identity Management besonders kritisch: Workflows, die auf sensible Systeme zugreifen, müssen selbst als Identitäten verwaltet werden.
IdM-Kernfunktionen
Provisioning
Automatische Einrichtung aller benötigten Zugänge und Rechte wenn ein neuer Mitarbeiter eintritt – nach seiner Rolle, Abteilung und Standort. Kein manuelles Einzelanfragen.
Deprovisioning
Automatische Sperrung aller Zugänge beim Austritt – am ersten Tag nach dem letzten Arbeitstag, vollständig, kein vergessener Account. Kritische Sicherheitsmaßnahme.
Single Sign-On (SSO)
Einmal anmelden, alle Systeme nutzen. Identity Provider (Okta, Azure AD, Google) authentifiziert zentral, alle verbundenen Systeme akzeptieren diese Authentifizierung.
Lifecycle Management
Identitäten und Zugriffsrechte passen sich automatisch an Rollenänderungen an. Beförderung → neue Rechte. Abteilungswechsel → alte Rechte weg, neue hinzu.
Directory Services
Zentrales Verzeichnis aller Identitäten (Active Directory, LDAP). Single Source of Truth für Nutzerattribute und Gruppenzugehörigkeiten.
Audit und Reporting
Wer hat wann auf was zugegriffen? Welche Rechte hat wer? Für DSGVO und ISO 27001 unverzichtbare Nachweisfähigkeit.
Praxisbeispiel
Ein Automationsdienstleister implementiert Okta als Identity Provider. Provisioning: Wenn ein neuer Entwickler in Google Workspace angelegt wird, synchronisiert Okta automatisch die Identität und provisioniert Zugänge zu n8n, GitHub, AWS (Entwickler-Rolle), Monitoring-Dashboard und Slack. Kein manuelles Anfragen einzelner Systeme. Deprovisioning: Wenn ein Mitarbeiter in Google Workspace deaktiviert wird, sperrt Okta automatisch alle verbundenen Systeme innerhalb von 60 Sekunden. SSO: Mitarbeiter melden sich einmal bei Okta an (mit MFA), alle Systeme sind ohne erneutes Login zugänglich. Ergebnis: Onboarding-Aufwand für IT: von 3 Stunden auf 15 Minuten reduziert. Offboarding-Sicherheit: keine vergessenen Accounts mehr.




