Eine Make-or-Buy-Entscheidung ist die strategische Abwägung, ob eine Leistung, Fähigkeit oder Komponente intern selbst erbracht („Make“) oder von einem externen Anbieter bezogen werden soll („Buy“). Sie ist eine der grundlegenden unternehmerischen Entscheidungen und betrifft nahezu alle Bereiche – von der Produktion physischer Güter über IT-Infrastruktur bis hin zu Dienstleistungen wie Automatisierung.
Die Entscheidung ist selten eindeutig und hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab: Kosten, strategischer Bedeutung, verfügbaren Kompetenzen, Zeitdruck, Kontrollbedürfnis und langfristigen Risiken.
Entscheidungsfaktoren im Überblick
Make — selbst entwickeln
- Hohe strategische Bedeutung der Fähigkeit
- Internes Know-how ist vorhanden
- Starkes Kontroll- und Anpassungsbedürfnis
- Langfristig günstigere Gesamtkosten erwartet
- Vertraulichkeit der Prozesse ist kritisch
Buy — extern beziehen
- Kein internes Know-how vorhanden
- Schnelle Umsetzung erforderlich
- Fokus auf Kernkompetenzen gewünscht
- Externes Angebot ist reifer und günstiger
- Skalierung ohne Personalaufbau nötig
Make-or-Buy im Kontext von Automatisierung
Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob sie Automatisierungslösungen intern aufbauen oder extern beziehen sollen. Die „Make“-Option bedeutet: ein eigenes Team aufbauen, Werkzeuge lizenzieren, Entwicklungs- und Wartungsaufwand intern tragen. Die „Buy“-Option bedeutet: Automatisierung als Dienstleistung von einem spezialisierten Anbieter beziehen, der Entwicklung, Betrieb und Weiterentwicklung übernimmt.
Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist Automatisierung keine Kernkompetenz – sie wollen automatisierte Prozesse nutzen, aber keine Automatisierungsexperten werden. In diesen Fällen spricht die Make-or-Buy-Analyse klar für die „Buy“-Option: kürzere Time-to-Market, geringeres Risiko, Zugang zu spezialisierter Expertise ohne Aufbau eigener Kapazitäten.
Praxisbeispiel
Ein Logistikunternehmen möchte seinen Rechnungseingang automatisieren. Interne IT-Abteilung vorhanden, aber ausgelastet. Analyse: Eigenentwicklung würde vier Monate dauern und zwei Entwickler binden – bei einem Thema, das keine strategische Differenzierung schafft. Die externe Lösung eines Automatisierungsdienstleisters ist in drei Wochen produktiv, wird laufend gewartet und kostet auf 24 Monate gerechnet weniger als die interne Option. Die Make-or-Buy-Entscheidung fällt eindeutig auf „Buy“ – der interne IT-Fokus bleibt auf strategisch relevanten Projekten.




