Monitoring bezeichnet die kontinuierliche Überwachung automatisierter Prozesse, Systeme und Infrastrukturkomponenten, um deren Zustand, Performance und Verfügbarkeit in Echtzeit zu erfassen. Es ist das permanente Beobachtungssystem einer Automatisierungsarchitektur: Es misst laufend definierte Kennzahlen, vergleicht sie mit Sollwerten und erkennt Abweichungen – bevor diese zu Ausfällen oder Datenproblemen eskalieren.
Ohne Monitoring ist eine automatisierte Umgebung eine Blackbox: Man weiß nicht, ob Prozesse laufen, wie schnell sie sind, ob Fehler auftreten und ob Schwellenwerte überschritten werden. Monitoring macht automatisierte Systeme beobachtbar – das ist die Grundvoraussetzung für Steuerung, Optimierung und schnelle Reaktion im Störungsfall.
Was im Monitoring überwacht wird
- erfügbarkeit: Läuft der Prozess, das System oder die API gerade? Ist er erreichbar und antwortend?
- Durchsatz: Wie viele Vorgänge werden pro Zeiteinheit verarbeitet? Entspricht das dem erwarteten Volumen?
- Laufzeit: Wie lange dauert die Verarbeitung einzelner Schritte und des Gesamtprozesses?
- Fehlerrate: Wie viele Vorgänge scheitern? Steigt die Fehlerrate über den Normalwert?
- Ausnahmerate: Wie viele Vorgänge werden nicht automatisch verarbeitet und landen in der Exception-Queue?
- Queue-Tiefe: Wie viele Einträge warten aktuell in der Queue? Wächst der Rückstand?
- Ressourcenauslastung: CPU, Arbeitsspeicher, Festplattenauslastung der beteiligten Systeme
Monitoring-Ansätze
- Aktives Monitoring (Polling): Das Monitoring-System fragt in regelmäßigen Abständen den Zustand des überwachten Systems ab
- Passives Monitoring (Push): Überwachte Systeme senden selbstständig Statusmeldungen und Metriken an das Monitoring-System
- Synthetisches Monitoring: Das Monitoring-System simuliert definierte Testprozesse und prüft, ob sie erfolgreich ausgeführt werden – unabhängig von echtem Produktionsvolumen
- Log-basiertes Monitoring: Systemlogs werden automatisch auf Fehlermuster, Anomalien oder definierte Schlüsselwörter analysiert
Monitoring und Alerting
Monitoring beobachtet und misst kontinuierlich. Alerting reagiert auf das, was Monitoring misst: Wenn ein Messwert einen definierten Schwellenwert überschreitet oder unterschreitet, sendet das Alerting-System eine Benachrichtigung an die zuständigen Personen. Monitoring ohne Alerting ist sinnlos – niemand schaut ständig auf Dashboards. Alerting ohne Monitoring hat keine Datenbasis. Beide sind untrennbar miteinander verknüpft.
Praxisbeispiel
Ein Unternehmen betreibt einen vollautomatisierten Auftragsverarbeitungsprozess. Das Monitoring überwacht fünf Kennzahlen in Echtzeit: Anzahl verarbeiteter Aufträge pro Stunde (Soll: 150–250), durchschnittliche Verarbeitungszeit pro Auftrag (Soll: unter 45 Sekunden), Fehlerrate (Soll: unter 1 Prozent), Queue-Tiefe (Soll: unter 50 wartende Aufträge), API-Verfügbarkeit des Versanddienstleisters (Soll: 100 Prozent). An einem Montagnachmittag zeigt das Monitoring: Queue-Tiefe steigt auf 340 Aufträge, Verarbeitungszeit auf 3,5 Minuten. Ursache: API des Versanddienstleisters antwortet mit hoher Latenz. Das Monitoring hat das Problem sichtbar gemacht – bevor Kunden Lieferverzögerungen bemerken.




