On-Premise (abgekürzt On-Prem) bezeichnet den Betrieb von Software und IT-Infrastruktur auf eigenen Servern, die sich physisch in den eigenen Räumlichkeiten oder einem gemieteten Rechenzentrum befinden und vollständig von der eigenen IT-Abteilung verwaltet werden. Im Gegensatz zu Cloud-Modellen kauft das Unternehmen die Hardware, installiert die Software selbst, ist verantwortlich für Betrieb, Updates, Sicherheit, Backups und Skalierung.
On-Premise war bis in die 2010er Jahre der Standard für Unternehmenssoftware und ist es in bestimmten Branchen und Anwendungsfällen bis heute. Die Entscheidung für On-Premise ist nicht pauschal falsch – sie ist für bestimmte Anforderungen die richtige Wahl. Sie bringt aber spezifische Kosten und Verantwortlichkeiten mit sich, die oft unterschätzt werden.
On-Premise: Gesamtkosten im Blick
- Hardware-Investition: Server, Netzwerkkomponenten, Storage – einmalige Anschaffungskosten plus Abschreibung und Erneuerungszyklus alle 3–5 Jahre
- Betriebskosten: Energie, Kühlung, Brandschutz, physische Sicherheit des Serverraums
- IT-Personal: Systemadministratoren für Betrieb, Updates, Monitoring und Störungsbehebung
- Lizenzen: Viele On-Premise-Software-Hersteller berechnen höhere Lizenzkosten als SaaS-Varianten
- Skalierungskosten: Mehr Last = neue Hardware kaufen, liefern lassen, installieren – kein Auto-Scaling
- Ausfallrisiko: Hardware-Ausfälle, lokale Stromausfälle oder Netzwerkprobleme betreffen ausschließlich das eigene System
Wann On-Premise sinnvoll ist
On-Premise bleibt die richtige Wahl, wenn: regulatorische Anforderungen vorschreiben, dass Daten ausschließlich auf eigenem Boden verarbeitet werden dürfen; wenn bestehende Investitionen (Hardware, Lizenzen, Integrationsprojekte) eine Migration unwirtschaftlich machen; wenn sehr konstante, hohe Workloads auf eigener Hardware günstiger sind als Cloud-Ressourcen; oder wenn physische Kontrolle über alle Infrastrukturkomponenten nicht verhandelbar ist (z. B. militärische oder geheimdienstliche Anwendungen).
Praxisbeispiel
Eine mittelständische Steuerberatungskanzlei betreibt ihr DATEV-System On-Premise auf eigenen Servern. Gründe: DATEV empfiehlt aus Datenschutzgründen den On-Premise-Betrieb für mandantenbezogene Daten. Die DATEV-Schnittstelle ist für On-Premise optimiert. Das System läuft seit 12 Jahren stabil. Herausforderung bei der Automatisierung: DATEV On-Premise hat keine offene REST-API. Lösung: DATEV DATEV Unternehmen online als Cloud-Ergänzung, die eine API bietet. Für Funktionen ohne API: RPA-Bot greift auf die lokale DATEV-Oberfläche zu. Alle anderen Prozesse (E-Mail, HR, Mandantenkommunikation) laufen über Cloud-SaaS-Tools. Klassische Hybrid-Realität.




