Portfolio-Management – Project Portfolio Management (PPM) – bezeichnet die strategische Auswahl, Priorisierung, Steuerung und Überwachung aller Projekte und Programme einer Organisation mit dem Ziel, die verfügbaren Ressourcen (Budget, Mitarbeiter, Zeit) optimal auf die Vorhaben mit dem höchsten strategischen Wert zu verteilen. Das Portfolio ist die Gesamtheit aller laufenden und geplanten Vorhaben – Portfolio-Management ist die Kunst, aus dieser Gesamtheit die richtige Auswahl zu treffen und kontinuierlich anzupassen.
Für Automatisierungsorganisationen ist Portfolio-Management der übergeordnete Steuerungsmechanismus: Welche Automatisierungsprojekte werden überhaupt gestartet? In welcher Reihenfolge? Mit welchem Budget? Welche Projekte werden pausiert oder gestoppt wenn Ressourcen knapp werden? Ohne Portfolio-Management wächst das Automatisierungsportfolio nach dem Prinzip „Wer am lautesten ruft, bekommt die Ressourcen“ – statt nach strategischem Nutzen.
Portfolio-Steuerungskreislauf
Sammeln Projektideen und -anträge: Alle Automatisierungsideen aus allen Bereichen werden gesammelt – strukturiert, nach einheitlichem Template mit Aufwand- und Nutzenschätzung
Bewerten Strategischen Wert und Aufwand einschätzen: Scoring nach definierten Kriterien: strategische Relevanz, ROI-Potenzial, Aufwand, Risiko, Abhängigkeiten, Dringlichkeit
Priorisieren Ranking und Auswahl: Portfolio-Board entscheidet, welche Vorhaben im aktuellen Quartal / Jahr gestartet werden – bezogen auf verfügbare Ressourcen und Kapazitäten
Steuern Laufende Überwachung und Anpassung: Quartalsweise Überprüfung des gesamten Portfolios. Neue Prioritäten, geänderte Ressourcenlage, veränderte strategische Ziele → Portfolio anpassen
Priorisierungskriterien für das Automation-Portfolio
- Strategischer Fit: Zahlt das Vorhaben auf die Unternehmensstrategie ein? Kernprozesse vor Nischenprozessen
- ROI und Payback-Zeit: Welchen messbaren Nutzen bringt die Automatisierung? Wie schnell amortisiert sie sich? Einfache ROI-Rechnung genügt für Priorisierung
- Ressourcenbedarf: Wie viel Kapazität (Entwickler, Budget, Fachbereich) wird benötigt? Passt das in die aktuelle Kapazitätslage?
- Risikolevel: Wie hoch ist das technische und organisatorische Risiko? Riskante Vorhaben beanspruchen mehr Governance-Aufwand
- Abhängigkeiten: Gibt es Voraussetzungen, die zuerst erfüllt sein müssen? Blockiert dieses Vorhaben andere oder wird es geblockt?
Praxisbeispiel
Ein Automationsdienstleister führt für seinen größten Kunden ein quartalsweises Portfolio-Review ein. Aktueller Bestand: 12 laufende Projekte, 18 Vorhaben in der Pipeline. Ressourcen: 3 Workflow-Engineers, 80 Prozent-Auslastung durch laufende Projekte. Portfolio-Review-Ergebnisse Q3: Vorhaben A (Rechnungsautomation, ROI 340 Prozent, 3 Monate): sofort starten. Vorhaben B (HR-Selfservice, ROI 90 Prozent, niedrige Dringlichkeit): in Q4. Vorhaben C (Newsletter-Automation, ROI 40 Prozent): Backlog, kein Start in 2024. Laufendes Projekt D: Scope-Creep erkannt, wird redefiniert und Budget eingefroren bis Neubewertung. Laufendes Projekt E: fertig, Ressourcen freigegeben für Vorhaben A. Das Portfolio-Review sorgt dafür, dass die begrenzten Ressourcen auf die drei Vorhaben mit dem höchsten strategischen Nutzen konzentriert werden – nicht auf die 18, die gleichzeitig laut nach Aufmerksamkeit rufen.




