Prescriptive Analytics – präskriptive Analyse – ist die höchste und komplexeste Stufe im Analytics-Spektrum. Sie geht über die Frage „Was wird passieren?“ (Predictive) hinaus und beantwortet: „Was sollen wir tun?“ – durch konkrete, datengetriebene Handlungsempfehlungen oder automatisierte Entscheidungen, die auf Vorhersagemodellen und Optimierungsalgorithmen basieren.
Prescriptive Analytics ist die direkte Brücke zwischen Datenanalyse und Automatisierung: Die Analyse führt nicht zu einem Report, den ein Mensch liest und dann entscheidet – sie führt direkt zu einer Empfehlung oder, im höchsten Reifegrad, zu einer automatisch ausgeführten Aktion. Der Mensch wird nicht aus dem Loop entfernt, aber er entscheidet auf Basis einer optimal aufbereiteten Empfehlung oder genehmigt einen automatischen Eingriff.
Der Prescriptive-Automation-Loop
1 Daten erfassen: Alle relevanten Messdaten aus Prozessen, Systemen und externen Quellen in Echtzeit sammeln
2 Zustand analysieren: Descriptive und Diagnostic Analytics beschreiben den aktuellen Zustand und seine Ursachen
3 Zukunft vorhersagen: Predictive-Modelle berechnen wahrscheinliche zukünftige Zustände unter verschiedenen Handlungsszenarien
4 Optionen bewerten: Optimierungsalgorithmen bewerten alle verfügbaren Handlungsoptionen nach definierten Zielgrößen (Kosten, Zeit, Qualität)
5 Empfehlung ausgeben: Die optimale Handlungsoption wird als Empfehlung präsentiert oder automatisch ausgeführt
6 Lernen: Das Ergebnis der Aktion fließt als neues Training-Datum in die Modelle zurück – kontinuierliche Verbesserung
Praxisbeispiel
Ein Pharmahersteller implementiert Prescriptive Analytics für seine Produktionsplanung. Ausgangslage: 340 Produktionsaufträge müssen wöchentlich auf 12 Produktionslinien verteilt werden – unter Berücksichtigung von Rüstzeiten, Rohstoffverfügbarkeit, Lieferterminen und Kapazitäten. Früher: erfahrener Produktionsplaner braucht 6 Stunden, Ergebnis oft suboptimal. Prescriptive Analytics: Optimierungsalgorithmus (Integer Linear Programming) berechnet in 4 Minuten die optimale Produktionsreihenfolge aller 340 Aufträge. Output: konkreter Wochenplan als Empfehlung. Der Planer prüft und genehmigt in 45 Minuten. Ergebnis: Rüstzeitersparnis 23 Prozent, Termintreuequote von 87 auf 97 Prozent gestiegen.




