Eine Prozesslandkarte ist eine strukturierte, visuelle Übersicht aller Geschäftsprozesse eines Unternehmens und ihrer Beziehungen zueinander. Sie zeigt auf einem übergeordneten Niveau, welche Prozesse ein Unternehmen betreibt, wie sie miteinander verbunden sind und welchen Beitrag sie zur Wertschöpfung leisten. Die Prozesslandkarte ist kein detailliertes Prozessdiagramm – sie gibt den Gesamtüberblick, während Einzelprozesse separat detailliert werden.
Typische Struktur einer Prozesslandkarte
Führungsprozesse
Strategische Steuerung, Planung, Qualitätsmanagement, Compliance – geben Richtung vor
Kernprozesse
Direkte Wertschöpfung für den Kunden – Vertrieb, Produktion, Lieferung, Service
Unterstützungsprozesse
Ermöglichen Kernprozesse – HR, IT, Finanzen, Einkauf, Recht
Wozu wird eine Prozesslandkarte genutzt?
- Gesamtüberblick schaffen: Führungskräfte, neue Mitarbeiter und externe Berater erhalten schnell ein vollständiges Bild aller Unternehmensaktivitäten
- Prozessverantwortung klären: Jeder Prozess bekommt einen definierten Owner – Verantwortlichkeitslücken werden sichtbar
- Priorisierung von Optimierungen: Die Landkarte zeigt, welche Prozesse strategisch wichtig sind und wo Verbesserungsbedarf besteht
- Grundlage für Zertifizierungen: ISO-Zertifizierungen (z. B. ISO 9001) setzen eine dokumentierte Prozesslandkarte voraus
- Ausgangspunkt für Automatisierungsplanung: Welche Prozesse kommen für Automatisierung in Frage? Die Prozesslandkarte ist der erste Schritt zur Antwort
Prozesslandkarte und Automatisierungsplanung
Für Unternehmen, die eine systematische Automatisierungsstrategie entwickeln wollen, ist die Prozesslandkarte der Ausgangspunkt: Sie gibt einen vollständigen Überblick über alle Prozesse und ermöglicht eine strukturierte Bewertung, welche Prozesse nach welchen Kriterien (Volumen, Standardisierbarkeit, strategische Relevanz) als erste automatisiert werden sollten.
Praxisbeispiel
Ein mittelständisches Produktionsunternehmen erstellt erstmals eine Prozesslandkarte und identifiziert 47 Prozesse – deutlich mehr als die Geschäftsführung erwartet hatte. Allein im Bereich Auftragsabwicklung finden sich 9 Einzelprozesse, für die keine klaren Verantwortlichkeiten definiert waren. Die Prozesslandkarte wird zur Grundlage eines Automatisierungsworkshops: Alle 47 Prozesse werden nach Volumen, Fehleranfälligkeit und Standardisierungsgrad bewertet. Die fünf Prozesse mit dem höchsten Automatisierungspotenzial werden identifiziert und in die Digital Roadmap aufgenommen.




