Ein Single-Tenant-System ist eine Softwarearchitektur, bei der jeder Kunde eine vollständig dedizierte, eigenständige Instanz der Anwendung oder Plattform betreibt – inklusive eigener Server, eigener Datenbank und eigener Anwendungsinstanz. Es gibt keine Infrastrukturkomponente, die mit anderen Kunden geteilt wird. Der Begriff „Tenant“ (Mandant) ist strikt auf einen einzigen Kunden beschränkt.
Single-Tenant-Systeme stehen damit im direkten Gegensatz zu Multi-Tenant-Systemen: Wo Multi-Tenancy auf geteilter Infrastruktur und Kostenteilung beruht, setzt Single-Tenancy auf vollständige Dedizierung und maximale Isolation. Beide Modelle haben ihre Berechtigung – die Wahl hängt von den spezifischen Anforderungen an Sicherheit, Anpassbarkeit, Compliance und Budget ab.
Single-Tenant vs. Multi-Tenant
Single-Tenant
- Eigene dedizierte Infrastruktur
- Maximale physische Datenisolation
- Individuelle Anpassungen möglich
- Eigene Release-Zyklen
- Hohe Betriebskosten
- Ideal für: Hochsicherheit, Compliance
Multi-Tenant
- Geteilte Infrastruktur, logische Trennung
- Software-seitige Datenisolation
- Standardisiertes Produkt
- Zentrale Updates für alle Kunden
- Niedrige Betriebskosten
- Ideal für: SaaS, Skalierung, Kosteneffizienz
Wann ist Single-Tenant die richtige Wahl?
- Strenge regulatorische Anforderungen: Branchen wie Banken, Versicherungen oder Gesundheitswesen schreiben teilweise vor, dass Kundendaten nicht auf gemeinsam genutzter Infrastruktur verarbeitet werden dürfen
- Datensouveränität: Der Kunde möchte seine Daten ausschließlich auf eigenen Servern oder in einer definierten geographischen Region hosten
- Individuelle Anpassungen: Der Kunde benötigt tiefgreifende Anpassungen der Software, die in einem standardisierten Multi-Tenant-Produkt nicht möglich wären
- Eigene Release-Kontrolle: Der Kunde möchte selbst entscheiden, wann er Updates einspielt – unabhängig von anderen Kunden
- Performance-Garantien: Der Kunde benötigt definierte, exklusive Ressourcen ohne das Risiko, dass andere Mandanten die Performance beeinflussen
Single-Tenant in der Automatisierungspraxis
Für Automatisierungsdienstleister bedeutet Single-Tenant: Für jeden Kunden wird eine separate Instanz der Automatisierungsplattform eingerichtet und betrieben – mit eigenem Server, eigener Konfiguration und eigenem Deployment-Zyklus. Das erhöht den Betriebsaufwand erheblich, ist aber in regulierten Branchen oder bei Kunden mit besonderen Sicherheitsanforderungen oft unvermeidbar. Viele Dienstleister bieten Single-Tenant als Premium-Option neben einem Standard-Multi-Tenant-Modell an.
Praxisbeispiel
Eine Privatbank möchte ihre Zahlungsverarbeitungs-Workflows automatisieren. Aufgrund der MaRisk-Anforderungen (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) und interner Compliance-Richtlinien ist eine gemeinsam genutzte Cloud-Infrastruktur mit anderen Kunden ausgeschlossen. Der Automatisierungsdienstleister richtet eine dedizierte Single-Tenant-Instanz der Workflow-Plattform auf Servern ein, die ausschließlich der Bank gehören und in deren eigenem Rechenzentrum stehen. Keine Daten verlassen die Infrastruktur der Bank. Updates werden nach einem zwischen Bank und Dienstleister abgestimmten Wartungsplan eingespielt. Die Betriebskosten sind dreimal höher als beim Multi-Tenant-Modell – für die Bank ist das der Preis der Compliance.




